Pablo Escobar Tour in Medellin: Was ist übrig von „El Patron“

Er war wohl das bekannteste Kind der Stadt in Kolumbien und spätestens seit der Serie Narcos kennt seine Stadt die ganze Welt: Medellin. Einst, dank seiner Machenschaften als gefährlichste Stadt der Welt betitelt, heute ein wahres Paradies. Doch was ist übrig von Pablo Escobar und lohnt es sich eine Tour zu buchen?
In Medellin werden, wie man sich denken kann, viele Touren angeboten. Dennoch schlagt euch gleich aus dem Kopf, Pablo Escobar zu sehr abzufeiern. Dieser Mann hat für zu viel Leid und Schmerz gesorgt. Ich empfehle euch, vor oder nach einer Tour das Musem der Opfer zu besuchen. Dennoch wird er vor allem in den ärmeren Vierteln nach wie vor als Held verehrt.
Die Touren findet man oft unter dem Namen „You know who“-Touren, denn man versucht, trotz des gesteigerten Interesses an der Person neutral zu berichten. Unser Guide sagte zu Beginn der Tour, er habe noch nie ein Buch gelesen oder Narcos gesehen, weil viele Fragen zur Serie gestellt werden. Er selbst habe Pablo Escobar einmal kurz getroffen, weil sein Cousin als Sicherheitsmann für Pablo Escobar gearbeitet habe. Er erzählte auch von der größten Partynacht seiner Jugend, in der er das einzige Mal Kokain zu sich nahm, eine Nacht auf der Hacienda Napoles, Pablo Escobars legendärem Anwesen zwischen Medellin und Bogota.
Unsere Tour wurde mit vier Stationen beworben, die letztendlich nur aber nur drei waren. Es ging zu seinem Grab, dem Gefängnis „La Catedral“, dem Fußballfeld bei „La Catedral“ und zum Monaco Builing, Pablos Haus in Medellin. Nicht enthalten war das Todeshaus, auf dessen Dach Pablo Escobar letztendlich erschossen wurde. Wie ihr dort hin kommt, erkläre ich euch dennoch.
Kosten für die Tour waren 60.000 COP pro Person, also ungefähr 17 Euro – ob es das Ganze wert war, erfahrt ihr später.

Das Grab von Pablo Escobar

Das Grab des Drogenbosses kann man sicherlich auch ohne Führung besuchen. Es befindet sich auf dem Cemetario Itagüí. Dieser wäre von Poblado in einer halben Stunde mit dem Taxi zu erreichen. Der Friedhof ist eine wahre Pilgerstätte für Touristen und des Grab liegt auf dem schönen Friedhof an einem besonderen Platz. Direkt an der Kirche am äußersten Eck in einer Lichtung hinter einigen Bäumen, liegt das Grab der Familie Escobar. Neben Pablo sind dort seine Mutter, die ihn auch nach seinem Tod noch verteidigte, sein Vater, sein Kindermädchen und sein Leibwächter Limon, der mit ihm starb, beerdigt. In einem Grab ein paar Meter weiter liegt Gustavo Gaviria, Pablos Cousin.
Alles in allem ist der Friedhof eben ein Friedhof und für mich kein besonders spannender Ort. Das spannendste war, dass eine der Szenen auf Narcos vom Reiseleiter bestätigt wurde. Als sich Pablo Escobar auf der Flucht befand, versteckte er sich bei seinem Vater. Dieser drängte ihn aber, sich zu stellen, er wollte keine Kriminellen beherbergen, auch nicht seinen eigenen Sohn. Sie verabschiedeten sich im Streit, dennoch wünschte Pablo, dass sein Vater im gleichen Grab wie er liegen sollte. Trotz ihres Streits fügte sich der Vater, der erst einige Jahre später starb, Pablos Wunsch.

La Catedral

La Catedral wird als „das erste und einzige Gefängnis, dass ein Krimineller für sich selbst baute“ bezeichnet. Tatsächlich hat es nur wenig mit einem Gefängnis gemein. Die Anfahrt durch die engen, kurvigen Straßen ist nicht die Entspannteste, aber den Ausblick, den man von oben auf die Stadt genießen kann, ist wunderbar. Heute ist la Catedral ein Altenheim für mittellose Menschen, ein schönes Sozialprojekt. Sie luden uns auf einen Kaffee ein und schüttelten fleißig die Hände der Touristen.
Hubschrauber-Landeplatz um Promis und Politiker zu empfangen
Garten auf dem Dach, heute Aufenthaltsraum der Senioren
Ausblick auf Medellin
Ehemaliges Schlafzimmer mit drehbarem Bett, zerstört auf der Suche nach verstecktem Geld
Wachturm am Fluchtweg
Ehemaliger Club mit Empore
Es lässt sich erahnen, wie es früher ausgesehen haben muss, denn es ist nicht mehr viel erhalten. Pablo Escobars Schlafzimmer zum Beispiel, in dem sich ein drehbares Bett befand und er dort, laut Aussage des Tourguides gerne Sex mit minderjährigen hatte, ist nur noch eine Ruine. Die Polizisten rissen es auf der Suche nach Geld komplett nieder. Auch der Club ist nur noch in seinen Umrissen erkennbar. Gut erhalten hingegen ist der Hubschrauberlandeplatz, an dem er Prominente und Politiker empfing. Pablo Escobar gehörte sein eigenes Gefängnis, inklusive der Angestellten, so ist es kein Wunder, dass er entkommen konnte. Er musste fliehen nachdem publik wurde, dass er zwei Mitglieder des eigenen Kartells dort umgebracht, verbrannt und verscharrt hatte. Man kann den Verbrennungs-Ofen und die Fluchtroute durch den Urwald noch besichtigen.
Die Räume kann man leider nicht mehr besichtigen, deshalb hier ein Video von la Catedral, nachdem Pablo Escobar geflohen war und das Militär die Einrichtung stürmte.

Das Fußballfeld bei La Catedral

Das Kleinfeld wurde vor der Tour als eigene Attraktion verkauft, allerdings befand sich das Feld nur ungefähr 50 Meter vom Hauptgebäude des Gefängnisses entfernt und gehörte zum Komplex. Hier spielte Pablo Escobar wohl gegen die Spieler der großen Teams von Medellin und saß gerne auf der Bank davor und kiffte. Nachts veranstaltete er dann wohl Nuttenrennen, bei denen sich alle Prostituierten nackt ausziehen und bei der nächtlichen Kälte auf hohen Schuhen zu Escobar rennen mussten. Escobar hielt ein Bündel Geld in der Hand und die Siegerin durfte das Geld dann behalten. In der Serie Narcos wird er doch ein wenig einfühlsamer beschrieben als auf der Tour. Dennoch war La Catedral doch der interessanteste Ort, den die Tour zu bieten hatte und ohne diese Tour ist das ehemalige Gefängnis mit dem Taxi wohl nur schwer zu erreichen und zu betreten.

Edificio Monaco

Die letzte Station der Tour war das Monaco Building, eines der Wohnhäuser von Pablo Escobar, in welchem er bis zu einem Anschlag des Cali-Kartells lebte. Es scheint von außen nicht besonders und nichts würde daran erinnern, dass hier mal eine Bombe eingeschlagen hat. Die Bombe erfasste allerdings nur seine Autosammlung und bis auf ein geplatztes Trommelfell passierte Escobar und der Familie nichts. Die zerstörte Old-Timer Sammlung findet man heute auf Pablo Escobars berühmten Anwesen, der Hacienda Napoles. In das Gebäude kann man leider auch nicht mehr, da der Staat das Haus in ein Museum umbauen will. Angeblich eröffnet es 2019, aber auch der Tourguide meinte, kolumbianisches 2019 heißt eher 2025.
Deshalb war der Besuch an diesem Wohnhaus im Nobelviertel Santa Maria de los Angeles eher langweilig und so auch ohne die Tour möglich. Das Haus befindet sich an dieser Adresse Cra. 45 #15 Sur-44 a 15 Sur-172.

Todeshaus von Pablo Escobar

Das Haus auf dessen Dach Pablo Escobar erschossen wurde, war nicht Teil der Tour. Die Begründung war, dass es dort nicht viel zu sehen gäbe und noch ein Stock auf das Haus gesetzt wurde, weshalb der eigentliche Ort seines Todes nicht mehr existiere. Wer es finden will kann das aber auch auf eigene Faust tun, es ist in der Nähe des Stadions. Also einfach mit der U-Bahn zu Station „Floresta“ fahren und dann 15 Minuten zur Fuß dorthin gehen. Das Viertel rund herum ist wirklich schön und sehenswert. Im Haus, in dem sich Escobar damals aufhielt, befindet sich heute eine Sprachschule. Die Macher der Serie Narcos wollten das Haus mieten, scheiterten aber. Deshalb wurde die Serie zwei Querstraßen weiter gedreht.
Das Haus selbst befindet sich mitten in der Stadt, idyllisch an einem kleinen Fluss. Die Adresse des Hauses ist die Carrera 79B #45d-72. Der Ort ist ebenfalls nicht sonderlich spektakulär, falls ihr aber einen freien Tag habt, könnt ihr es besuchen.

Fazit

Die Pablo Escobar Tour war interessant, obwohl sie nicht viel zu bieten hatte. Der Tourguide, der von seinen Erfahrungen als junger Kerl in Medellin oder einer Partynacht auf der Hacienda Napoles berichten konnte und auch stolz ein Bild mit dem Killer/Sicario Popeye vorzeigen konnte, war sehr wichtig für die Tour. Leider fuhren wir in einem separaten Auto und bekamen deshalb nicht alles mit. Der einzig exklusive Stopp der Tour war wohl la Catedral, dort wären wir wohl ohne die Tour nicht hingekommen. Durch den Tourguide hat man dann doch einen besseren Eindruck bekommen und so waren es die 17 Euro trotz der wenigen Stopps doch wert.
Im nächsten Artikel geht es dann um meinen Besuch auf der Hacienda Napoles, Pablo Escobars berüchtigtem Anwesen.

Ein Kommentar bei „Pablo Escobar Tour in Medellin: Was ist übrig von „El Patron““

  1. […] Mehr zu den Sehenswürdigkeiten um Pablo Escobar findet ihr in diesem Bericht HIER […]

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