Medellin: Zwischen hipper Zukunft und gewalttätiger Vergangenheit

 

Wer mich persönlich kennt hat mich bestimmt schon über diese Stadt schwärmen gehört, aber auch ich finde dort natürlich nicht alles toll und empfehlenswert. Dennoch sollte man diese Stadt gesehen haben, nicht nur wenn man gerade in der Nähe ist. Was es dort zu sehen gibt und wie sicher die einst „gefährlichste Stadt der Welt“ heute ist, lest ihr hier.

 

Wie teuer ist Medellin ungefähr:

Bier im Supermarkt: 3000 – 5000 COP (ca. 1 – 2 Euro) für 1 Liter. Kommt auf Viertel und Markt an.
Bier in einer Bar: 3500 – 9000 COP (1 – 3,50 Euro) für 0,33l
Zigaretten: 6500 COP (ca. 2,20 €)
Longdrinks: 5000 – 15000 COP (2-6 Euro) in den meisten Bars
Essen:  6000-20000 Pesos (2-7 Euro) für Burger; um die 20000 – 30000 Pesos für Steak (7-12 Euro)
Übernachtung: 8 -20 € im Hostel; 20-40 € im Hotel
Metro: 2400 COP pro Fahrt (ca. 80 Cent)
Bus: 1000 – 20000 COP pro Fahrt ( ca. 33-66 Cent)

 

 

Tipps für Sparfüchse:

  •  Taxifahren lohnt sich mit mehreren Personen oft mehr als die Metro zu nutzen
  • Zigarettenpreise variieren stark, die fliegenden Händler verlangen in Touristenviertelen bis zu 4 Euro pro Schachtel
  • In den meisten Clubs sind Zigaretten verboten, auch wenn es Freiluft Clubs sind, denkt dran sie zu schmuggeln

 

Kann man in Medellin gut saufen?

Kann man irgendwo auf der Welt besser saufen? Der Bierpreis variiert von 0,33 für 50 Cent im Kiosk bis 3,50 Euro im Touri-Restaurant. Man findet auch Bars mit einem Bierpreis von unter einem Euro. In den Clubs kosten Biere meistens 2-3 Euro.
In Kolumbien trinkt man für gewöhnlich aber anders: Man geht in Gruppen feiern und bestellt direkt eine ganze Flasche Schnaps und trinkt diese gemeinsam mit allen Personen am Tisch. Anschließend wird die nächste bestellt und die nächste und die nächste…ihr wisst wo das hinführt.
Die Paisas, Bewohner der Region in und um Medellin, sind sehr gastfreundlich, als wundert euch nicht wenn ihr an einem Abend mehrmals von Fremden zum Mittrinken eingeladen werdet.

 

Wie komme ich in Medellin von A nach B?

Taxi:
Taxis in Medellin sind günstig. Für 10.000 COP kommt man von Poblado aus durch die halbe Stadt.
Uber:
Uber ist in Kolumbien leider verboten. Das heißt nicht, dass es keine Uber-Fahrer gibt. Es gibt aber nur wenige Uber-Fahrer und wir hatten mehrmals orientierungslose Fahrer, da einem Navi grundsätzlich nicht vertraut wird. Taxifahren lohnt sich in Medellin dagegen einfach mehr.
Metro:
Die Metro hat die Stadt verändert und bringt einen für wenig Geld an viele Orte. So sind im Metroticket für umgerechnet 70 Cent auch zwei Seilbahnen enthalten, die einen hoch über die Stadt bringen. Es ist wirklich zu empfehlen dieses Angebot auch wahrzunehmen. Man fährt so auch über Viertel, die man sonst nicht betreten würde und gewinnt einen tollen Einblick. Die Aussicht von oben auf die Stadt ist phänomenal, absolut zu empfehlen!
Neuerdings ist auch eine Tram an das Netz angebunden, hier müsst ihr beim Umstieg allerdings nochmal zahlen.

 

Bus:
Die Busse in Medellin sind nur für kürzere Strecken oder Strecken an denen die Metro nicht fährt relevant. Man zahlt beim Einsteigen. Auch hier gilt, Taxi kann mit mehreren Leuten günstiger sein.
Für weite Entfernungen in andere Städte oder Tagestrips gibt es einen südlichen und einen nördlichen Busbahnhof. Der im Süden hat nur ein begrenztes Angebot. Es lohnt sich den Nordbahnhof anzufahren.
Darauf gilt es zu achten:
Die Metro hat viele oft arme Viertel an die Stadt angebunden und somit einen deutlichen Wandel in der Stadt herbeigeführt. Die Metro ist ein Symbol der Stadt für den Fortschritt und die Veränderung, auf die viele sehr stolz sind. Deshalb sieht man in den Bahnen auch keinerlei Beschädigungen, Schmierereien oder ähnliches.

 

Wie sicher ist es in Medellin?

Medellin war bis Ender der 90er als „die gefährlichste Stadt der Welt“ bekannt. Dies lag an der höchsten Mordrate, die durch den Drogenkrieg dort stattfand. Mit Pablo Escobars Tod ist dieser jedoch nicht zu Ende und es finden nach wie vor Morde dort statt. Als Tourist wird man davon aber nichts mitbekommen, denn die Rate ist mittlerweile durchschnittlich.
Medellin als Tourist zu bereisen ist sehr sicher und in Vierteln wie „El Poblado“ kann man sich auch nachts bedenkenlos zur Fuß bewegen.
Als unangenehmer empfand ich die Innenstadt rund um den Parque Berrio bei Nacht, es kommt also wie fast überall auf die Gegend an.

 

 

Wo habe ich geschlafen?

Hotel 1: Sixtina Plaza Hotel
Die ersten Tage verbrachte ich im Sixtina Plaza Hotel, welches direkt am Großmarkt im Stadtteil Itagüí im Süden Medellins gelegen ist. Die Zimmer waren klein, aber gut ausgestattet. Überzeugend war der Ausblick von der Dachterrasse, auf der wir die meiste Zeit verbrachten. Dort Gab es einen Whirlpool, ein Dampfbad und eine Sauna, mit Blick über Medellin. Das Frühstück war in Ordnung, wir haben für 80.000 COP (umgerechnet ca. 23,50 €) im Doppelzimmer geschlafen. Eine Unterkunft für alle, die nicht direkt im Partytrubel sein wollen, aber dennoch gut angebunden, denn die Metro war in 10 Minuten zur Fuß erreichbar.

 

Hotel 2: Hotel Madeiro
Da ich bei meinem zweiten Aufenthalt wieder eine ganze Woche in Medellin verbrachte, wollte ich verschiedene Teile der Stadt kennenlernen. So blieben wir die ersten vier Nächte in Itagüí, bevor wir dann ins berühmte „El Poblado“ umzogen. Eigentlich hatten wir das Hotel Llreas 10 gebucht, dieses war aber leider ausgebucht, also erhielten wir kurzfristig ein Upgrade ins Hotel Madeiro, welches in der Carrera 37 gelegen ist. Nach kurzer Google-Recherche durften wir feststellen, dass die Nacht in diesem Hotel umgerechnet ca. 50,00 € kostet. Glück muss man auch manchmal haben! Das Zimmer war groß und geräumig und auch das Frühstück war gut. Es gab ebenfalls einen Whirlpool, Dampfbad uns Sauna im obersten Stockwerk aber keine Terrasse.
Hostel: Selina Medellin
Ein riesiges Partyhostel in el Poblado mit mehreren Stockwerken, Co-Working Space und Innenhofbar. Ich hab gut geschlafen und das Mehrbettzimmer war sauber, zur Metro musste man durch ganz Poblado also sicher 20 Minuten zu laufen, zum Parque Lleras 5 Minuten. Wer auf fette Partyhostels, hippe Leute mit Smartphones an der Bar oder in der Lobby steht, kann gerne dort hin. Mir war es zu viel Allerweltshostel zu wenig Medellin.

 

 

Was gibt es in Medellin zu sehen?

Communa 13
Einst eines der berüchtigten Viertels in dem viele Kartell-Morde stattfanden, ist das Viertel heute Touristenhotspot. Das bunte Viertel ist bekannt für seine vielen Graffitis, Tänzer und die neu gebauten Rolltreppen mitten im Viertel. Die steilen Treppen wurden einfach durch Rolltreppen ersetzt und so kann man ganz gemütlich, neben T-Shirt und Schokoladenverkäufern und kleinen Cafés hoch zum schönen Ausblick über die Stadt fahren. Ein Besuch des Viertels lohnt sich, es ist immer viel los und man kann viel modere Kunst bewundern.
Eine Tour ist absolut nicht nötig! Fahrt einfach mit der Metro bis zur Station San Javier und lauft 15 Minuten zu Fuß. Die Gegend ist sicher und die Anwohner helfen euch auch gerne weiter, wenn ihr es nicht findet.

 
EL Plaza Botero
Direkt an der Station Parque de Berrio liegt der Plaza de las Esculturas oder einfach Plaza Botero. Dieser kann als der Hauptplatz der Stadt bezeichnet werden. Er ist sehr schön aber auch wuselig, laut und hektisch. Der Platz ist, wie der Name schon sagt, voll von den Statuen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Er ist einer der berühmtesten lateinamerikanischen Künstler und in Kolumbiens Großstädten sehr präsent. Er ist für seinen Stil bekannt, den viele als „er malt dicke Menschen“ bezeichnen. Er, einige Kunstliebhaber und  alle Kolumbianer würden vehement widersprechen, denn er erhöht das Volumen der Elemente, die er darstellt. Das Ergebnis ist das Gleiche: auf dem Platz stehen runde Männer, Frauen, Pferde und weitere Figuren. Sehr schön anzusehen und der Platz ist einen Kurzbesuch auf jeden Fall Wert.
 
Plaza de la Luz
Der Lichtplatz ist der eigentliche Hauptplatz. Er ist ein Zeichen für die krasse, positive Veränderung, die Medellin in den Jahren nach Pablo Escobars Tod durchgemacht hat, so war der Platz früher noch ein Platz, an dem sich neben den Kartellmitgliedern der Abschaum der Stadt sammelte. Bei meinem ersten Besuch in Medellin wurden Touristenführungen an dieser Stelle noch von der Polizei begleitet. Heute ist der Platz mit dreihundert 27 Meter hohen Metallsäulen bebaut. Das Ganze wird als künstlicher Wald bezeichnet, soll der Opfer gedenken und leuchtet bei Nacht. Mit Bambus wird zusätzlich versucht, eine angenehme Stimmung zu erzeugen. Ich fand es dort aber trotz aller Bemühungen nach wie vor nicht schön.
 
Die gesprengte Botero Taube
Pajaro de Paz der Vogel des Friedens ist eine Statue von Botereo. Sie steht am Parque de San Antonio, an dem früher viele Konzerte und Events stattfanden. Auch heute kann man dort noch in mysteriöser Plastikstuhlatmosphäre rund um die Uhr trinken.
Diese Friedenstaube wurde zum Symbol, denn ein Guerilla-Kämpfer sprengte sie 1995, als Symbol gegen den Frieden. Er riss dabei 12 Leute in den Tod, ein schreckliches Attentat. Botero, der Künstler der die Statue schuf veranlasste, dass die Statue als Mahnmal an den Frieden, so zerstört wie sie war, stehen bleiben sollte. Er stellte eine neue Taube daneben und so sind diese beiden Tauben heute eines der größten Symbole für den neu gewonnen Frieden.
 

 

Casa de la Memoria
Der Drogenkrieg in Kolumbien zerstörte nicht nur viele Leben, sondern stürzte ein ganzes Land ins Dunkel. Die heiße Phase des Krieges ist nicht lange her und vor allem noch nicht vorbei. In diesem gut gemachten Museum erfährt man viel über persönliche Schicksale, egal ob politisch Verfolgte oder von Kartellen getötete Menschen. Ein interessantes Museum, dass mehr auf Geschichten und Statistiken setzt, als auf schockierende Bilder. Ich fand es durchaus interessant, würde es aber nicht als Muss einstufen. Wer sich eine bisschen intensiver mit der Stadt auseinandersetzten will und diese verstehen will, ist hier richtig.
 
Fußball
Da sehr viele Fußballreisende unter meinen Lesern sind, wird auch diese Frage beantwortet: Sowohl Atlético Nacional als auch Independiente Medellín spielen im Estadio Atanasio Girardot, das vor allem bei Nacht ein beeindruckendes Panorama über die Stadt bietet. Beide sind einen Besuch wert, ich war in den Meisterschafts-Play-Offs bei Atlético Nacional und habe dort eine der besten Atmosphären des Landes erleben dürfen. Auch für südamerikanische Verhältnisse war es sehr gut. In der Stadt hat eher Independiente Medellin die Überhand. Der Verein hat eher den Ruf des Arbeiterclubs, so sieht man das Logo in vielen Vierteln und auch Pablo Escobar war Independiente Anhänger. Das erklärte jedenfalls sein Sohn, denn in der Serie Narcos wird er als Nacional-Fan betitelt. Aber auch das Logo von Nacional sieht man oft, kurioserweise auch am Fels von Guatape, Nacional ist weit über die Stadtgrenzen beliebt und einer der beliebtesten Clubs des Landes.
 
Pablo Escobar
Mehr zu den Sehenswürdigkeiten um Pablo Escobar findet ihr in diesem Bericht HIER
 

 

El Poblado „Parque Lleras“
In – hipp – voller Touristen, ich mochte es trotzdem. Die meisten Hotels und Hostels befinden sich in El Poblado. Das Viertel mit den Ziegelsteinhochhäusern ist vor allem für seine Feiermeile bekannt. Rund um den Parque Lleras finden sich jede Menge Restaurants, Bars und Clubs. Wer in Medellin feiern will, ist hier und in den Seitenstraßen richtig aufgehoben. Das Viertel ist natürlich teurer als andere Viertel, das sollte man berücksichtigen. Dennoch trifft man auch hier neben Leuten aus aller Welt die freundlichen Leute aus Medellin, die einen gerne auf ein Aguardiente einladen. Hier kann man wunderbare Nächte zwischen Alkoholexzess und Drogentourismus verbringen. Die Clubs sind sehr modern und die Feiermeile muss sich weltweit nicht verstecken. Natürlich ist am Wochenende am meisten los.
 


Parque Bolivar (Catedral Metropolitana)
Ein charakteristischer Platz für die Innenstadt von Medellin, die ein wenig schmieriger und unseriöser wirkt, als El Poblado. Der Park ist dafür berühmt, dass man allerlei verrückte Vögel dort trifft. Neben verrückten, Einheimischen-Touren enden aber auch die meisten Stadtführungen an der Ziegelsteinkirche Catedral Metropolitana, an der ich allerdings das interessanteste fand, dass sich dahinter noch Drogenküchen befinden sollen. Meine Meinung nach kein unbedingtes Muss, den Flair kann man dennoch auf sich wirken lassen.

 

Mein Fazit zu Medellin:

Die Stadt hat mehr zu bieten als Pablo Escobar und Drogentourismus und zählt zu meinen Lieblingsstädten weltweit. Auf eine Reise nach Kolumbien sollte man diese Stadt nicht links liegen lassen. Die Architektur oder Sehenswürdigkeiten sind nicht besonders beeindruckend, vielmehr hat mich die Verwandlung der Stadt fasziniert. Der Bau der Metro, die Plätze und die überwältigende Warmherzigkeit der Bewohner sind einzigartig, genau wie die Lage der Stadt in einer Schlucht mitten im Dschungel. Abends durch diese Stadt zu fahren, oder in einem Hochhaus in El Poblado über die Stadt zu sehen, gehörten zu meinen Highlights. Wahrscheinlich ist der positive Eindruck, der einst gefährlichsten Stadt der Welt nur ein zeitlich begrenztes Fenster, bevor Medellin von Touristen überlaufen und amerikanisiert wird. Deshalb empfehle ich euch so schnell wie möglich hin zu fahren!
 

 

Schreibe einen Kommentar